rooter lte

DIY-Outdoor-LTE-Router

Man könnte einen fertigen LTE-Router kaufen und mit den Beschränkungen leben. Man kann es aber auch gleich richtig machen. Beschränkungen bei LTE-Routern? Ja, klar, SIM-Lock, keine externen Antennen, unflexible GUI, kein WISP, kein File-Server – und wenn das Ding kaputt geht, kann man es direkt entsorgen. Ausserdem steht ja schon LTE 5G vor der Tür.

Ich hatte mir viele Gedanken gemacht wie ich eine flexible Lösung für unseren Wohnwagen aufbauen kann. Meine Wahl fiel auf folgende Hardware bei Amazon (Partner-Links):

GL-inet MT300A-ext (Minirouter), 29 EUR
Vodafone/Huawei K5150 (4G-LTE-Stick), 20 EUR
4G-LTE-Antenne, extern, 20 EUR
– CSL-WLAN-Antenne, je 7 EUR
– Bettermann Monatgekasten, 21 EUR
– Fairware Kabelverschraubungen, 6 EUR
kurzes USB-Stromkabel, 2,50 EUR
USB-Netzteil, 2.1A, 9 EUR

Ja, gut, das ist jetzt mit rund 120 EUR etwas teurer als so ein einfacher, mobiler LTE-Router – aber auch um Längen leistungsfähiger, flexibler und vor allem zukunftssicherer – und damit nachhaltiger. Zumal man streng genommen nur den Router und den LTE-Stick rechnen darf. Damit kommen wir auf einen Vergleichspreis von knapp 62 EUR für unsere Lösung.

Mobile LTE-Router wie der Huawei E5377s (Partnerlink) kosten ab ca. 90 EUR und enthalten nur noch das USB-Kabel, kein Netzteil, keine Antennen.

Was kann das Ding am Ende?
Es kann Deine Endgeräte entweder mit dem mobilen Funknetz oder mit dem WLAN des Campingplatzes (oder des Mobilfunkbetreibers) verbinden. Für letzteres ist der WISP-Modus wichtig.

Die Geschwindigkeit im WLAN liegt bei bis zu 300 MBit/sec, WISP mit bis zu 150 MBit/sec.
Die Geschwindigkeit über LTE liegt bei bis zu 150 MBit/sec down, 40 up.
Band 20 (800 MHz) wird unterstützt, das ist wichtig, wenn man in Deutschland auf dem platten Land unterwegs ist.

Weiterhin unterstützt unsere Konfiguration selbstverständlich auch 3G, DC-HSPA+, UMTS, WCDMA, GSM und GPRS.

Ein Fileserver (oder eine eigene Cloud) ist mit dem internen Kartenslot mit bis zu 128GB-SD-Karten möglich. Zum Beispiel um die Urlaubsbilder zu sichern, oder ein paar Filme für die verregneten Abende zu haben.

Warum unbedingt externe Antennen?

Weil der Wohnwagen mit Alublech beplankt ist und Funkwellen abschirmt. Der Aufbau der Seitenwände besteht von innen nach aussen aus: Dekorplatte, Styroporplatten und Holzlatten, Alublech.

Der K5150 LTE-Stick hat CRC9-Buchsen, der Router hat RP-SMA-Buchsen, dies ist bei der Bestellung anderer Antennen zu beachten. Die o.a. Antennen passen aber.

Geöffneter Stick


(Probeaufbau mit externer LTE-Antenne am Stick. Dieser leuchtet permanent violett, wenn er mit einem 4G-Netz verbunden ist)

Der MT300A ist mit einem 580 MHz schnellen SingleCore-Prozessor MTK 7620A, 16 MB Flash und 128 MB RAM bestückt. Das ist für einen Router sehr viel Power und prädestiniert ihn als idealen und sehr schnellen „Bastelrouter“.

Wie funktioniert der Aufbau hardwareseitig?
In den Montagekasten kommen der Router, der Stick und das Netzteil zusammen mit einer wasserdichten Verlängerungsschnur, deren Ende (Steckdose) wir abschneiden und ersetzen. Wir müssen ja durch die Kabeldurchführungen kommen. Wichtig dabei ist es, Kabelendhülsen zu benutzen, sonst werden die feinen Adern im Stromkabel gequetscht und brechen. Die Antennen werden ebenfalls an der Seite des Montagekastens durchgeführt, die nach unten(!) zeigt. Es soll ja wasserdicht bleiben.


(Innenleben)


(Wasserdichte Anschlüsse)


(Gehäuse wetterfest verschlossen)

Wie funktioniert der Aufbau softwareseitig?
Kann ich auch OpenWRT oder DD-WRT installieren? Ja, aber sicher! Das ist sogar eine Kernkompetenz dieses Gerätes. OpenWRT ist in der originalen Firmware enthalten. Die einfache, aber sehr hübsche GL-inet-GUI (http://192.168.8.1) basiert darauf, aber man kann auch OpenWRT mit Luci direkt aufrufen. Ich habe ROOter („Golden Orb“) installiert. Dies ist eine Firmware, basierend auf LEDE, welche sich speziell um die Funkmodemunterstützung kümmert. Jeder, der einmal einen Router aufgesetzt hat, wird sich mit ROOter sofort anfreunden können. Die Oberfläche ist sehr übersichtlich und intuitiv gestaltet.

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Gefällt Euch ROOter nicht, so könnt Ihr auch die originale Firmware wieder herstellen:

(Flashmenü)

Generell gilt bei diesem Router, dass man jede Firmware mit/in jeder Firmware aufspielen kann. ROOter kann unter GL-inet-GUI oder unter OpenWRT geflasht werden – oder in jeder anderen Kombination. Das geht alles ratz-fatz.

Der MT300A ist zudem quasi „unbrickbar“. Man kann ihn nicht „kaputt flashen“. Sollte mal etwas schiefgehen, so ist UBOOT über eine eigene GUI (http://192.168.1.1) erreichbar. Darüber lässt sich im Notfall eine beliebige andere Firmware hochladen. Dazu den Reset-Knopf länger als fünf Sekunden beim Einstecken des USB-Stroms gedrückt halten.

Konfiguration des Routers für Euren Provider
Rechner mit dem Router via Netzwerkkabel verbinden (Siwtch oder direkt). Am Rechner manuell 192.168.1.2 als IP-Adresse eintragen.
Unter http://192.168.1.1 müsst Ihr unter „Modem“ in die „Connection Info“.
Dort tragt Ihr die Internetzugangsdaten Eures Providers ein.

Beispiel für blau-Kunden:
APN: internet.eplus.de
User: blau
Password: blau
AuthProtocol: PAP/CHAP
Den Rest so lassen.

Beispiel für Lebara:
APN: internet.t-d1.de
User: Lebara Internet
Passwort: (kein PW)
AuthProtocol: PAP/CHAP
Den Rest so lassen.


(Zugangsdaten)

 

Das grüne Blinken der LED auf dem Stick sollte schon bald in ein violettes wechseln und am Ende durchgehend hellblau leuchten, sofern an Eurem Standort auch LTE verfügbar ist.


(LTE 3G bis 42 MBit/sec – hellblaue LED)


(Stick wird jetzt erkannt)

Die Verbindung bricht immer wieder ab…
… und ich muß den Router rebooten, um wieder eine Internet-Verbindung zu bekommen? Das liegt meist am Provider, der die Verbindung nach Inaktivität wieder kappt, was ja eigentlich auch sinnvoll ist, um Ressourcen zu sparen. Als Camper bewegt man sich aber nicht in den Ballungszentren, sondern auf dem platten Lande, deswegen gebe ich Euch einfach den Tipp die Verbindung durch einen Ping aufrecht zu erhalten und im Falle eines Disconnects automatisch eine neue Verbindungs aufzubauen. Das ist mit der ROOTer-Firmware mit wenigen Klicks eingerichtet.

Ich habe gleich einen Modem-Reconnect, also die Reinitialisierung des Treibers, aktiviert, weil mein seltener Vodafone-Stick sowieso gerne mal rumzickt. Die Zeit zwischen zwei Pings habe ich auf eine Minute gestellt und als Tracking-IP eine IP von google.de genommen. Ist Google über den Router nicht zu erreichen, initialisiert ROOTer das LTE-Modem neu und führt einen Reconnect zum Provider durch.

Alles so schön bunt hier…
Der LTE-Stick blinkt wie ein Weihnachtsbaum und Du weißt nicht was das bedeuten soll?

Grünes, durchgehendes zweimaliges Blinken: Stick ist eingeschaltet und gebootet.
Grünes, blaues oder violettes langsames Blinken: Anmeldung im 2G-, 3G-, oder 4G-Netz

Grünes Dauerleuchten, mit 2G-Netz verbunden, bis zu 54 Kbit/sec (GPRS) oder bis zu 22 Kbit/sec (EDGE)
Blaues Dauerleuchten, mit 3G/UMTS-Netz verbunden, bis 7,2 Mbit/sec (HSPA)
Hellblaues Dauerleuchten, mit 3G/UMTS-Netz verbunden, bis 42 Mbit/sec (HSPA+)
Violettes Dauerleuchten, mit 4G/LTE-Netz verbunden, bis zu 300 Mbit/sec

Wie lade ich Guthaben auf?
Hier ein Beispiel für Lebara. Tja, das war einfach die günstigste Karte, die ich im REWE im vorbeigehen gesehen und mitgenommen hatte. Die Leistung ist aber sehr gut, denn damit habe ich die vollen versprochenen 7 MBit/sec des Vertrages erreicht. (Update: Zu Hause an der Fritzbox sogar mit einer anderen Lebara-SIM-Karte bis 16 MBit/sec)

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Lebara-App laden (oder u.a. Workaroud nutzen).
Guthaben mit PrePaid-Code oder PayPal aufladen
Dann mit dem Router über Browser verbinden, um den Tarif zu buchen:
192.168.1.1
→ Modem → SMS Messageing

SMS an 55255
„PLUS5GB“ = 15 EUR / 5GB
„PLUS10GB“ = 20 EUR / 10 GB
Jeweils für vier Wochen gültig.

Workaround für das Senden von GSM-Codes:
→ Modem → Miscellaneous → AT Command
AT+CUSD=1,“*131*(gekauften-prepaid-code)#“,15

Lebara, was/wer ist das? Einer der größeren Reseller/Discounter aus UK. Sie benutzen in Deutschland das Netz der Telekom. Wir werden in Deutschland trotzdem abgerippt, denn es gibt genau drei Anbieter:

  1. Telekom
  2. Vodafone
  3. Telefonica

Die drei teilen sich den Markt einträchtig zu je rund 33% auf und sind an einer Konkurrenz überhaupt nicht interessiert. Wir zahlen also hierzulande rund 10-fach überteuerte Preise für mobiles Internet wie im europäischen Vergleich. Technologisch führdend sind wir zudem absolut nicht. Wir sind weit abgeschlagen auf einem der letzten Plätze.

Die Kür – Montage am Wohnwagren
Der Montagekasten mit Mastschellen wird an einem ausziehbaren Besenstiel befestigt, welcher am hinteren Fahrradträger (verstellbarer Haltearm für Räder) befestigt wird. Zusatzinfo: Man sollte den hinteren Träger an einem Wohnwagen tunlichst nicht nutzen. Die Hebelkraft der doch relativ schweren Räder ist einfach für einen stabilen Fahrbetrieb zu hoch.

An das obere Ende des Stieles kommt eine Querstange. In der Mitte sitzt die LTE-Antenne, an den Enden die WLAN-Antennen. Am Standort zieht man den Besenstiel aus und so überragen die Antennen den Wohnwagen. Noch etwas drehen, bis der Empfang optimiert ist (sieht man in der GUI von ROOter). Fertig!

Auf die Nutzung eines eventuell vorhanden Mastes würde ich verzichten, denn so ist der bequeme Zugang zum LTE-Stick noch gewährleistet. Schließlich muss man die SIM-Karte im Ausland immer austauschen, da die Datentarife dort prinzipiell wesentlich günstiger als in Deutschland sind.

Über eine Erdung kann man trefflich streiten. Fakt ist aber, dass man eine vorschriftsmäßige Erdungsstange auf den meisten Campingplätzen niemals in den harten, festgefahrenen Boden bekäme (oder wieder hinaus). Zudem führen vom „Mast“ keine Kabel in den Wohnwagen hinein und der Mast ist durch die Kunststoffummantelung der Klemmen/Halterung sowieso isoliert. Das Handbuch mancher Wohnwagen sagt zudem, dass das Fahrzeug durch das Ausfahren der Metallstützen ausreichend extern geerdet sei.

Für den Artikel wollte ich einige Bilder haben, ist ja sonst langweilig. Jetzt und gleich musste es sein, Ihr kennt das ja. Ich hatte keine Lust Material zu kaufen, also nahm ich das, was im Fundus rumflog. Da war so ein nettes Abflussrohr, lang genug und leicht dazu! Gesagt, getan!

Das Rohr habe ich oben eingesägt, ich wollte keinen Akt daraus machen. Die Antenne steckt da fest drin. Ein Schütteltest lässt mich dem nächsten Sturm gelassen entgegen sehen.


(Einkerbung)


(Antenne steckt)


(Kabel ist im Rohr versteckt)


(Ja, das Rohr ist etwas krumm – egal)

Hier die weiteren Bilder vom Aufbau: